mein rechtes Auge und die Fotografie
Der Titel an sich klingt etwas seltsam, wenn man mich nicht kennt. Daher muss man einfach wissen, dass ich die letzten 4 Wochen am rechten Auge eine Augenentzündung hatte. Ohne auf die Details und Hintergründe eingehen zu wollen, möcht ich hier mal an der Stelle eine sehr kleine, aber recht interessante Erfahrung und ein paar Gedanken zu dem Thema Sehen allgemein und Fotografie festhalten.
Wenn man sich mal überlegt, wie komplex so ein Auge aufgebaut ist und wie simpel es zu bedienen ist, dann ist das schon erstaunlich. Ich stehe morgens auf, mache meine Augen auf und schon funktioniert's. Ich sehe! Das war's, mehr muss man dazu nicht wissen.
Oft vermisst man die Dinge erst, wenn man sie nicht mehr hat. In der Zeit, in der ich ein entzündetes Auge hatte, war meine Sehfähigkeit am rechten Auge dermaßen eingeschränkt, dass ich weder "scharf" stellen konnte, noch der Lichteinfall am Auge reguliert wurde. D.h. was ich sah, war übermäßig hell, die Farben waren leicht flau und insgesamt wirkte alles sehr flach vom Kontrast. Während dieser Zeit konnte ich weder am PC, noch irgendwas anderes richtig erkennen. Und das schlimmste überhaupt war , ich konnte nicht Fotografieren
. Zu dem ist mein rechtes Auge auch mein "stärkeres" Auge, bzw. das Auge, mit dem ich auch durch den Sucher der Kamera schaue.
Wie naiv man doch ist und alles, besonders die eigene Gesundheit so schnell als Selbstverständlich hinnimmt. Ich hab mich gefragt, was wäre wenn ich so mein ganzes Leben lang sehen würde? Was, wenn ich nie wieder richtig sehen könnte? DAS war ganz schön deprimierend. Gott sei dank ist der Alptraum nun vorbei und ich "darf" wieder normal sehen. Um so mehr schätze ich nun die normale heile Welt und bin dankbar für jeden Augenblick, in dem ich klar sehen kann darf.
Hier hab ich mal versucht, meine Sichtweise aus der Zeit visuell festzuhalten. So in etwa hab ich alles gesehen.
- Das ist mein Sohn beim Fahrrad fahren. Das erfrischende Lächeln konnt ich kaum richtig erkennen.
- Und das ist ein wunderschöner und sonniger Tag, an dem man dieses grüne Feld nur noch bewundern würde, würde man es klar erkennen können.
Erinnerungen sind oft das Schönste…
...was man hat.
Klar, ohne Bilder, wüssten wir doch gar nicht, wie unsere Vergangenheit ausgesehen hat
Aber mal ehrlich, hat man wirklich immer ein Foto von den schönsten und wichtigsten Momenten seines Lebens geschossen? Ich jedenfalls hab das nicht und daher bleiben mir oft nur die Erinnerungen. Die Momente, die nie wieder kommen werden, weil sie vergangen sind. Sehr oft wünschte ich mir eine Zeitmaschine, mit der ich in die Vergangenheit reisen könnte. Wäre das nicht klasse? Man könnte die Fehler, die man gemacht hat, wiedergutmachen, noch bevor sie entstehen.
Manchmal frag ich mich auch, wie sich das Leben so entwickelt hätte, wenn ich mich in den wichtigsten Momenten meines Lebens anders entschieden hätte, einen anderen Weg eingeschlagen wäre. Es müßte doch dann komplett anders aussehen?! Man würde andere Menschen kennen, evtl. auch woanders arbeiten, sich vielleicht auch anders benehmen.
Die Gegenwart würde anders sein. Würde sie dadurch besser sein? Keine Ahnung....


