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12Jan/102

Warum fotografiere ich überhaupt?

Vielleicht hat es mit der Winterzeit zu tun oder mit der Tatsache, dass ich im Moment nicht so viel hinter der Kamera stehe, aber ich frag mich grad,  warum ich das tue, was ich tue. Warum fotografiere ich überhaupt?

Jeder der mich kennt, weiß auch, dass ich nichts von oberflächlichen Flosskeln halte. Daher kann ich auch "Weil's eben Spass macht" nicht so einfach stehen lassen :mrgreen: ...jedenfalls nicht bei mir.

Da ich Zitate liebe und besonders, wenn diese mich zum Nachdenken anregen, werd ich in Zukunft öfters schlaue und berühmte Leute hier zitieren und eben schriftlich darüber nachdenken. Übrigens, ein Anstoß zu dem Ganzen hier war u.a. Andy mit seinem neuen Kalender ;-)

Edvard Munch (*12.12.1863, †23.01.1944), seines Zeichens norwegischer Maler und Grafiker, sagte mal: "Für einen Künstler ist es vor allem gefährlich, gelobt zu werden."

Nur warum?

Ohne jetzt die damaligen Gedanken von Munch zu kennen, interpretiere ich dieses Zitat mal als Selbstschutz für die Kunst. Denn ich glaube, dass jeder berühmte Künstler - und Fotografie behandel ich hier mal als Kunstform - eben NICHT mit der Kunst angefangen hat, nur um reich und berühmt zu werden. Ganz im Gegenteil, viele Künstler, ob Maler oder Schriftsteller, sind Zeit ihres Lebens eher kreative Köpfe und der Kunst verfallene Bettler gewesen. Kunst diente als Selbstzweck. Und ich glaube, wenn man damit anfängt, etwas zu tun, nur um Anerkennung zu finden, dann verliert man an Glaubwürdigkeit. Und welcher Künstler möchte nicht "echt" sein?!

Doch irgendwie ist das paradox. Ein Grundbedürfnis des Menschen ist es doch, Lob und Anerkennung zu bekommen. Muss ich mich nun schämen, weil ich nicht nur konstruktive Kritik für meine Bilder haben möchte, sondern auch banales Schulterklopfen?

Nein, ich denke nicht. Aber wenn ich Fotografiere, nur um Lob zu bekommen, dann wird es eben gefährlich, weil es meine Zielrichtung kippt. Dann muss ich  meine Motivation tatsächlich mal hinterfragen.

Andereseits frag ich mich, hat Fotografie, die niemand wahrnimmt überhaupt eine Daseinsberechtigung? Ist es nicht so, dass Fotografie etwas transportieren will? Ob es nur das Erlebte in Form von Schnappschüssen ist oder abgelichtete Emotionen, die einen tief berühren. Wenn sich diese Fotos niemand  anschaut, sind sie wertlos. Und dann würde sich der Selbstzweck in diesem Fall in Luft auflösen.

So, nun zurück zu mir. Warum fotografiere ich? Thomas Mann (*06.06.1875, †12.08.1955), deutschsprachiger Schriftsteller,  bringt es mit dem folgenden Zitat ziemlich auf den Punkt: "Ein Künstler muß in derselben Verfassung an sein Werk gehen, in der der Verbrecher seine Tat begeht."

Ganz einfach: aus Leidenschaft, weil ich nicht anders kann. Aus der Not heraus, weil es wie eine Sucht ist, ein Drang, Dinge, Menschen, Situationen für diesen einen Moment festzuhalten, um mich daran erinnern zu können, um Freude daran zu haben, ein Werk zu schaffen, dass in erster Linie nur mir selber gefällt.  Um mir Freiräume zu schaffen, in denen ich entspannen kann, meine Gedanken zu klären, einen freien Kopf zu bekommen, einen Ausgleich zu der extrem analytischen Arbeitswelt zu bekommen oder einfach nur, um alleine zu sein. Andere Meditieren oder machen Yoga, ich gehe raus und fotografiere. :-)

Ich wünschte, ich hätte früher damit angefangen und manchmal wünschte ich, ich hätte ausreichend Freiheit, um den ganzen Tag und die ganze Woche über zu fotografieren.

Aber mach ich es, damit andere meine Fotos bewundern? Ja verdammt, unter anderem auch, wenn es denn passiert. Ich würde lügen, würde ich was anderes sagen. Ich freue mich über jedes Feedback zu meinen Bildern. Aber selbst wenn niemand sich meine Fotos anschauen würde, würde ich weiter machen. Übrigens, 2/3 meines Foto Archives sind nicht online ;-)

Und damit es spannend bleibt und natürlich um meine Neugier zu befriedigen, mache ich aus dem Post hier ein "Stöckchen-Spiel". Mich würde interessieren, wie andere diese Frage beantworten würden.

Das "Und warum fotografierst du?" - Stöckchen geb ich daher weiter an Michael.




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About Ivan

Ich bin Ivan Slunjski und betreibe BlogNotiz.de in meiner Freizeit. Fotografie ist zwar mein Haupt- und Lieblingsthema, allerdings dient dieses Weblog als Plattform für all das, was mich beschäftigt. Kommentare sind herzlich willkommen. Über jedes Feedback freue ich mich sehr. Jeder kann hier offen seine Meinung zu meinen Artikeln schreiben, aber bitte in einem höflichen Ton. :-)
Kommentare (2) Trackbacks (2)
  1. Wenn wir schon bei Zitaten sind, hier eines von Sigmund Freud zum Thema Lob:

    “Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.”

    Viele Menschen, egal ob Künstler oder nicht, stehen Lob oft sprachlos gegenüber, dabei kann es sehr schön sein. Wenn mich jemand lobt, egal wegen was, sage ich einfach nur ein ehrlich gemeintes “Danke”. Denn oft ist ein Lob einfach nur ein Lob und wer wird schon nicht gerne wertgeschätzt?! :-)

  2. Lob und Wertschätzung sind ja auch gut und das stärkt ja nicht nur das eigene Selbstbewusstsein, sondern fördert auch die Kreativität. Ich denke halt nur, entscheidend ist meine erste Motivation. Mach ich es, weil ich Lob erhalten will oder der Sache wegen? Ersteres raubt mir meine Authentizität.

    Und interessanterweise kenn ich viele Leute, denen es schwer fällt, ein einfaches und ehrliches Danke über die Lippen zu bringen. Da gehörst du zu den Ausnahmen. Find ich gut. :-)


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